Bessere Mobilität – schnellere Notfalltransporte
Bis 1925 waren Privatfahrzeuge in Graubünden verboten. Noch 1922 hatten die stimmberechtigten Männer eine Sondergenehmigung für die Nutzung des Automobils für Ärzte, Tierärzte und «Krankenanstalten» abgelehnt. Darum brachten Kutschen, und im Winter Schlitten, die Menschen zur Erstversorgung. Dunkelheit, verschneite Strassen und Lawinengefahr erschwerten Krankentransporte und Rettungen zusätzlich. Mit dem Spital Ilanz entstand 1868 ein regionales Zentrum in der Surselva, zu dem Patient:innen gebracht wurden, wenn die lokale Versorgung nicht ausreichte.
Regionale und kantonale Rettungskonzepte
Mit dem Ausbau des Strassennetzes verkürzten sich die Wege in einem Notfall: Ärzte und Hebammen erreichten ihre Patient:innen zunehmend mit ihren privaten Motorrädern und Autos, erste Sanitätsfahrzeuge ergänzten die Versorgung. Lange kümmerten sich die Hausärzte um den Notfalldienst; mitunter fuhren sie die Krankenwagen selbst. Auch das Kantonsspital in Chur wurde mit der zunehmenden Mobilität für besondere Notsituationen erreichbar. Seit dem Neubau 1941 verfügte dieses über moderne Operationssäle und 1960 wurde hier eine der ersten Intensivpflegestationen der Schweiz eröffnet.
Mit der Rega und anderen Anbietern wurde die Rettung aus der Luft möglich. Die erste Bündner Basis der Rega stand ab 1976 in Bad Ragaz. Aus der Luft war eine schnellere Rettung auf unwegsamem Gelände, in den Bergen und auf den Alpen möglich.
In 15 Minuten im Spital
In den 1970er-Jahren entwickelte der Kanton zusammen mit der Rega ein Rettungskonzept. Und 1980 teilte das neue Krankenpflegegesetz den Kanton Graubünden in elf Spitalregionen ein. Das Rettungswesen, die klinische Notfallhilfe und die Katastrophenmedizin wurden seither stark professionalisiert es wurden Berufsverbände, wie 1989 der «Verband der Schweizer Rettungssanitäter» (VRS) und 1990 die «Vereinigung der Schweizer Notärzte» gegründet.
Heute soll medizinische Nothilfe im ganzen Kanton Graubünden innerhalb von 15 Minuten nach Alarmeingang gewährleistet sein. Neben dem Regionalspital Ilanz gibt es deshalb einen weiteren Stützpunkt in der Cadi. Im hinteren Safiental lässt sich die Vorgabe nicht in jedem Fall einhalten, weshalb dort häufiger Helikopter eingesetzt werden.
Das Rettungswesen war in Graubünden lange regional organisiert. 1979 lehnte der Bündner Ärzteverband eine einheitliche Organisation ab. Als letzter Kanton führte Graubünden Anfang 1999 eine Notfallzentrale ein, erreichbar über die Nummer 144. Sie wurde im Regionalspital Ilanz eingerichtet.
Für die Krankenwagen gab es zunächst keinen Bereitschaftsdienst, sodass mitunter die diensthabenden Ärzte selbst zu einem Unfallort fuhren.
Wenn es sehr schnell gehen muss oder wenn ein Notfall in abgelegenen oder unzugänglichen Gebieten eintritt, kommen Rettungshelikopter zum Einsatz, wie die Allouette III «Rätia» 1978, hier mit Sommerrädern.
Eine wichtige Veränderung in der Erreichbarkeit bei Notfällen brachte das Mobiltelefon. Ein früher Nutzer war der Amtsarzt des Engadins. Er bot Anfang der 1990er-Jahre an, sein Gerät während der Jagd für Notfälle eingeschaltet zu lassen – der Jagdinspektor lehnte dies jedoch ab.
In den Wintermonaten kommt es immer wieder zu Lawinenabgängen, teilweise bis in bewohntes Gebiet. Im Jahrhundertwinter 1950/51 gingen 498 Lawinen nieder.
Am 20. Januar 1951 verschüttete eine Lawine nach fast 90 Stunden Dauerschneefall am späten Abend einen Teil von Vals. Sie zerstörte Häuser, Ställe und Strassen. 19 Menschen, davon 14 Kinder, und viele Tiere kamen dabei ums Leben.
Bei den Aufräumarbeiten fanden Helfer:innen und Soldaten unter den Schneemassen erhalten gebliebenes Inventar der zerstörten Häuser; wie ein Harmonium.
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