100 Jahre Leben
Die Menschen in Graubünden werden älter. In den vergangenen 100 Jahren hat sich die Lebenserwartung beinahe verdoppelt. Und der Traum vom gesunden langen Leben hat sich zu einem internationalen Trend ausgeweitet.
Die Menschen in Graubünden werden älter. In den vergangenen 100 Jahren hat sich die Lebenserwartung beinahe verdoppelt. Und der Traum vom gesunden langen Leben hat sich zu einem internationalen Trend ausgeweitet.
Ende 2024 lebten im Kanton Graubünden 36 Personen, die 100 Jahre alt oder älter waren. Wer 100 Jahre alt ist, hat den Zweiten Weltkrieg erlebt, den wirtschaftlichen Wandel und den Tourismusboom, die Einführung des Frauenstimmrechts, die Digitalisierung und das Verschwinden der Gletscher in den Alpen. Antibiotika, Impfungen und eine bessere Diagnostik trugen in den letzten Jahrzehnten dazu bei, dass die Lebenserwartung stieg. Dem Tod ein Schnippchen zu schlagen und lange gesund zu leben – das ist ein Ziel, das die Menschen damals wie heute beschäftigt.
Alter im Wandel der Zeit
Immer wieder finden sich Spuren in der Vergangenheit, dass einzelne Menschen sehr alt wurden. Doch in den letzten rund 150 Jahren hat sich die Lebenserwartung in der Schweiz von durchschnittlich 42 auf fast 84 Jahre verdoppelt – und damit ist die Zahl der Menschen mit vielen gelebten Lebensjahren deutlich gestiegen.
Doch was bedeutet es, alt zu sein? Das Wort Alter ist vielschichtig und nicht zwingend an ein kalendarisches Alter gebunden.
Mit der Einführung der AHV erhielt das Alter in der Schweiz 1948 eine institutionalisierte Bedeutung. Mit der Einführung des Rentenalters ab 65 Jahren bekam „alt sein“ einen klar definierten Zeitpunkt. Und mit dem Anstieg der Lebenserwartung verlängerte – und das gilt noch heute – sich dieser Lebensabschnitt zusehends, denn Senior:innen blieben zunehmend länger aktiv und selbständig. Sie übten vermehrt Aktivitäten aus, die zuvor Jüngeren vorbehalten waren – etwa Reisen, Sport oder Weiterbildungen.
Möglichst lange gesund leben
Mit dem Ziel, möglichst lange gesund zu leben, gingen Bemühungen einher, dem körperlichen und kognitiven Alterungsprozess präventiv entgegenzuwirken. Heute misst die Langlebigkeitsforschung sogenannten „epigenetischen Faktoren“ – also der Umwelt, dem Lebensstil, der mentalen Gesundheit und dem sozialen Netzwerk – grosse Bedeutung bei. Es wird gar versucht, den Alterungsprozess nicht nur zu verlangsamen, sondern ihn gar umzukehren. Unter dem englischen Begriff longevity (Langlebigkeit) hat sich ein milliardenschwerer Markt entwickelt, der auch im Bündner Gesundheitstourismus angekommen ist.
Der Trend, stets jünger aussehen zu wollen, ist indes keineswegs neu. Warum wir sterben und wie wir länger jung bleiben, waren Fragen, die bereits vor über 100 Jahren mit den damaligen Erkenntnissen aus unterschiedlichen Disziplinen der Naturwissenschaften zu beantworten versucht wurden. Beispielsweise im Zuge der Lebensreformbewegung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Lebensstilanpassungen – wie Bewegung, vegetarische Ernährung oder Alkoholverzicht – propagiert.
Auch die Bündner Hotellerie griff diese Strömung auf: die frische Bergluft wurde als Heilmittel gegen Krankheiten und zugleich als Präventionsfaktor vermarktet. So eröffnete 1875 die «Luft-, Molken- und Seebadanstalt Waldhaus» in Flims, und das «Kurhaus» in Fidaz bot bereits in den 1930er-Jahren vegetarische Speisen an. Im 20. Jahrhundert verbreiteten die neuen Massenmedien wie Kino, Fernsehen und Werbung das Ideal der Jugendlichkeit in die Welt.
Mit dem Aufkommen statistischer Erhebungen wurden die Altersverteilung und weitere demografische Altersparameter systematisch erfasst.
Die Altersstruktur in der Schweiz hat sich in den letzten Jahrzehnten von einer Pyramidenform hin zu einer Tannnenform verändert: immer mehr Menschen leben länger.
2024 war in Graubünden knapp ein Viertel der Bevölkerung über 65 Jahre alt.
Aufschreiben, was hilft. Das galt nicht nur für Heilmittel für Menschen, sondern auch für die Tiergesundheit.
Bereits um 1800 sammelte Gion v. Rotmund «nützliche Regeln» von «renommierten Autoren und Ärzten», um von jungen Jahren an ein langes Leben zu leben.
Im «schweiz. führer für reformer und vegetarier» wird als eines der wenigen Hotels im Kanton Graubünden das «Kurhaus» in Fidaz aufgeführt.
Im Hotel – hier in einer Fotografie von 1902 – gab es vegetarische Optionen und einen «Birchertisch». Eine gesunde Lebensweise, zu der auch die Produkte des Birchermüesli Erfinders Max Bircher-Benner gehörte, sollten ein jugendliches und langes Leben fördern.
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